Meine Rede-Beitrag zum Klimastreik am 20.9.2019

Es läuft etwas mächtig schief in der politischen Diskussion um den Klimaschutz.

Mittlerweile vergeht keine Woche, kein Tag mehr ohne Katastrophenmeldung vom Klima. Ein Hitzerekord jagt den anderen, die Wälder vertrocknen, der Regenwald und die Arktis brennen, der Permafrost taut, die Gletscher schmelzen...

Der Klimawandel, die Klimakatastrophe passiert – heute!

Und trotzdem machen uns Politikerinnen und Politiker aller Parteien vor – und da machen Grünen leider keine Ausnahme – dass die Katastrophe ohne Einbußen in unserem Konsum- und Luxusniveau abzuwenden sei, dass die Rettung des Planeten für umsonst zu haben ist.

Und das ist einfach nicht die Wahrheit!


Alle reden davon, dass der Klimaschutz „sozialverträglich“ gestaltet werden müsse.

Ja klar, aber:

Waldbrände sind nicht sozialverträglich!

Wirbelstürme sind nicht sozialverträglich!

Überschwemmungen sind nicht sozialverträglich!

Dürre- und Hungerkatastrophen sind nicht sozialverträglich!

Die zu erwartenden Flüchtlingsbewegungen von einer halben Milliarde Menschen, die sich vor dem ansteigenden Meeresspiegel retten wollen, sind nicht sozialverträglich!

Und auch Klimakriege sind nicht sozialverträglich!


Man sorgt sich um die armen Pendler, die womöglich höhere Benzinpreise zu verkraften haben und tut so, als seien sie die Opfer des Klimawandels.

Das sind sie nicht: Die wirklichen Opfer des Klimawandels verhungern und verdursten in Ostafrika, ertrinken in Bangladesh oder verlieren ihr Leben in Wirbelstürmen auf den Bahamas oder in Mosambik.

Überschwemmungen, Zyklone und andere extreme Wetterereignisse haben im ersten Halbjahr 2019 weltweit rund 7 Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht.

Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, und ich fürchte sehr um die globale Solidarität, wo sich Europa schon 2015 wegen etwa einer Million Syrienflüchtlinge glaubte, sich überfordert fühlen zu müssen.

Es sollte also doch längst jedem klar sein, dass die Kosten der Katastrophe viel größer sein werden, als die Kosten, die nötig sind, um sie noch abzuwenden. Bundeskanzlerin Merkel hat das neulich in der Haushaltsdebatte ausgesprochen. Bravo!

Aber was sie nicht gesagt hat ist:

Bei den Kosten der Katastrophe geht es nicht mehr nur um Geld, - es geht um Menschenleben. Millionenfach!

Trotzdem reden viele Politiker, allen voran Christian Lindner und Peter Altmaier, immer noch verächtlich über Verbote und Verzicht.

Warum eigentlich? Was ist so schlecht an Verboten?

Mord und Totschlag sind verboten!

Raub und Vergewaltigung sind verboten!

Falsch Parken ist verboten!

Warum denn nicht grob klimaschädigendes Verhalten?

Und was ist schlecht am Verzicht?

Ist es denn etwa ein Menschenrecht, das Klima zu ruinieren?

Ist es ein Menschenrecht, um den Globus zu fliegen, in Luxus und Konsum zu schwelgen, während der Regenwald abbrennt, während die Zahl der Hungernden auf der Welt seit einigen Jahren klimabedingt wieder dramatisch zunimmt?

Nein, ist es nicht! Jedes Recht endet da, wo es das Leben und die Gesundheit anderer bedroht!

Und dann gibt es da noch das saudumme Totschlag-Argument, dass „nationaler Alleingang“ ja nichts brächte.

Was für ein Blödsinn!

Dreißig Jahre mit unzähligen Klimakonferenzen sind ins Land gegangen, die letztlich alle daran scheiterten, dass alle sagten: „Wenn Du das nicht machst, dann mach ich das auch nich!“

Warum denn nicht einfach mal eine Politik des guten Vorbilds? Und wer kann das machen, wenn nicht das reiche Deutschland?!

Stattdessen werden Handelsabkommen mit Klima-Verbrechern wie Brasiliens Jair Bolsonaro geschlossen.

Angemessener wäre einen konsequenter Boykott von Brasilianischem Rindfleisch und Soja!


Ich wünschte mir mal eine Politikerin oder einen Politiker, die den Mut aufbrächten, den Menschen die Wahrheit zu sagen:

Dass die Rettung des Planeten uns alle etwas kosten wird, dass wir alle unseren Beitrag werden leisten müssen.

Vor allem aber: Dass sich das auch lohnt! Dass es doch um nichts anderes als um eine lebenswerte Zukunft geht!

Aber aus Furcht vor dem Verlust von ein paar Wählerstimmen wagt es niemand in der Politik – auch die Grünen nicht - das auszusprechen. Ich nenne das „Feigheit vor dem Wähler“!


Bei den Klima-Demos ist immer viel von Kapitalismuskritik die Rede.

Ich finde das richtig, aber ich würde es anders nennen. Mit dem Kapitalismus kritisiert man ein ominöses System, mit dem man scheinbar nichts zu tun hat.

Ich möchte es lieber Konsumkritik nennen, um deutlich zu machen, dass wir selber auch ein Teil des Problems sind.

Deshalb sollten wir unsere Appelle nicht nur an die Politik, sondern auch an uns selbst und die ganze Gesellschaft richten.


Uns allen ist doch eigentlich klar, dass es mit unserem Luxusleben, unserem maßlosen Energieverbrauch, unserem Reiseverhalten, unseren Ernährungsgewohnheiten, vor allem mit unserem Hyperkonsum nicht weitergehen kann, wenn der Planet noch gerettet werden soll.

Wir brauchen ein neues gesellschaftliches Klima, in dem ein großes Auto oder eine Reise in die Karibik kein Status-Symbol mehr ist, sondern eine verantwortungslose Peinlichkeit!

Damit wenden wir uns auch an das Wirtschafts-System und die Industrie und machen klar: Wir wollen euren Hyper-Konsum-Blödsinn nicht mehr! Wir brauchen keine noch größeren Autos, nicht noch mehr Elektro-Schrott, nicht noch mehr Plastik-Müll (und damit meine ich nicht nur die Verpackungen, sondern auch die sinnlosen Produkte selber...).

Stattdessen wollen wir Medikamente, Nahrungsmittel und gerechte Entwicklungs-Chancen für die armen Länder des globalen Südens, damit auch den Menschen dort ein würdiges Leben möglich wird, ohne dass sie die Fehler der Industrienationen wiederholen müssen.

Das wäre echte Innovation!


Und ja, ich kenne die Schein-Argumente, die da lauten: „Was bringt es denn, wenn ich auf's Fliegen oder auf mein Steak verzichte?“.

Klar, erstens: Ich kann mit meinem Verzicht überhaupt nichts bewirken. Das ist dem Klima vollkommen egal.

Aber, zweitens, ich kann damit Teil einer Bewegung, zusammen mit Euch, sein. Und als Bewegung können wir einen gesellschaftlichen Trend setzen, einen Wandel in Gang bringen hin zu einer nachhaltigen und schonenden Lebensweise.

Und drittens: Ich will nicht mehr teilhaben an dem Verbrechen am Klima, - das habe ich viel zu lange gemacht...

Und bei einem bin ich mir ganz sicher:

Ein achtsames Leben ohne sinnentleertem Konsum, auch ohne Flugreisen, Fleisch, flotte Autos und so weiter, wird nicht schlechter, sondern besser!

Fridays for Future hat das Potential, unsere gesamte Gesellschaft nachhaltig zu verändern. Vielleicht ist das unsere einzige Chance!

Lasst uns nicht mehr ein Teil des Problems, sondern ein Teil der Lösung sein!

Aktuelles

Bildungsreise Lodz 2020

Ghetto Litzmannstadt, Vernichtungslager Kulmhof

30.8. - 3.9.2020

 

siehe unter:

Holocaust Bildungsarbeit

 

Von November 2019 bis Februar 2020 wird meine nächste Benefizkonzerte-Reihe für Oxfam stattfinden. Wer ein Konzert mit mir organisieren möchte, darf sich gerne an mich wenden. Auch private Hauskonzerte sind möglich!